Künstler
 Ausstellungen
 Editionen
 Wir suchen ... 
 Kunstleasing / Miete
 Kunstberatung
 Bücher
 News
 Info
 AGB
 
 Kontakt
 Home
 
 
 
 
English Sites

  

 

 

 
 
 
"think(in)things"
 
mit Werken von:
Stefan Bombaci Gianni Caravaggio
Markus Keibel Paolo Piscitelli
 
21. Feb. 2004 bis 10. April. 2004
 

 
 
Für die Ausstellung "think(in)things"  in der Galerie Bernhard Knaus, Mannheim erweitern die Künstler Stefan Bombaci, Gianni Caravaggio,
Markus Keibel und Paolo Piscitelli die Lesart des konzeptuellen Ansatzes in der Kunst und versuchen eine zeitgemäße Umsetzung für diesen
zu finden. Sowohl das intuitive, wie auch das kommunikative Element sind Schlüsselbegriffe für diesen Versuch und befragen nicht nur die Idee
hinter einem Kunstwerk, sondern auch deren Herkunft und die Anwendbarkeit auf soziologische und kommunikative Prozesse.
 
Markus Keibel
 
"seven evolutionary points of view"
“In meiner eigenen Arbeit ist dieser gemeinsame Ansatz gegenwärtig und fügt die Fragestellung nach der Beziehung zwischen Betrachter und
Werk und auch die Fragestellung zwischen Betrachter und Betrachter, also dem Raum zwischen Mensch und Mensch mit ein. Dabei ist festzuhalten,
daß die Oberfläche nicht die wahrhaftige Grenze darstellt, sondern, gleich einer Membran, nur ein Durchlass zu etwas Tieferem ist. So wie ein
gesprochenes Wort, seinen Sinn erst im Kopf des Anderen und in der Interpretation bekommt. Und nur Offenheit und Empathie ein Verstehen
untereinander ermöglichen. Es ist somit notwendig, sich in den Standpunkt des Anderen zu versetzen und die Arbeit "seven Evolutionary points of view"
versucht dies zu transportieren und zu visualisieren.“ Markus Keibel
 
Die Arbeit "seven evolutionary points of view"  besteht aus sieben Weißglasscheiben, die mit folgendem Text beschrieben sind:
 
ICH VERSTEHE DEINEN INSTINKT
DU VERSTEHST SEINEN IMPULS
ER VERSTEHT IHRE INTENTION
SIE VERSTEHEN UNSERE INSPIRATION
WIR VERSTEHEN EURE IMAGINATION
IHR VERSTEHT IHRE INTENTION
SIE VERSTEHEN MEINE IDEE
 
Dieser Text bildet je Pronomen einen Kreis, der über die verschiedenen Glasebenen läuft und sich dadurch mehrmals bricht und auch nur von einem
bestimmten Standpunkt als Kreis sichtbar ist,  jedoch von allen anderen Orten als gebrochene Ellipse wahrgenommen wird. Jeder Kreis vergrößert
sich und schließt den kleineren ein. Dadurch entsteht ein Tiefenwirkung, die die Raumwahrnehmung und die Auflösung des Bildträgers betont. Der
Inhalt kreist um die Bedingungen von Kommunikation und vermittelt, dass es, um Verständnis zu schaffen, notwendig ist, den Standpunkt des Anderen
einzunehmen, da nur von dort eine Ahnung des Gemeinten entstehen
kann.
 
Markus Keibel :
1964 in Stuttgart geboren. Studium der Kommunikationsgestaltung an der Merz Akademie in Stuttgart bei Prof. Rondo und Prof. Wedel. Studium der
Philosophie in Tübingen. 1996 bis 1999 Assistenz bei Thomas Locher. 1998 bis 2000 Dozent an der Merz Akademie. M. Keibel lebt und arbeitet in Berlin.
 
 
 
Paolo Piscitelli
 
1971 in Venaria, Italien, geboren, lebt und arbeitet Piscitelli in Turin, wo er seit Mitte der 90iger Jahre auftritt.
Seine Arbeit drückt er in Installationen aus, bei denen er eine Vielzahl an Medien wie Skulptur, Zeichnung, Video und Photographie miteinbezieht.
Piscitelli versucht die Begriffserklärung einer abgeschlossenen Arbeit von zwei Standpunkten – einem zeitlichen und einem räumlichen – aufzubrechen.
Er bedient sich konzeptueller, auditiver und visueller Anregungen, um über die scheinbar gesetzten Grenzen seiner Arbeiten hinauszutreten.
 
„Ein zentrales Thema dieser Arbeiten ist die Idee des „Verschwindens“ als Zeichen einer übrig gebliebenen Auffassung von der subjektiven Dimension.
In den Fotos ist die Energie durch den Atem in der Dunkelheit und im unterirdischen Raum abgebildet. In der „Esecuzione“ drückt sich die umgekehrte
Energie mit dem Verdichten und Zusammendrücken von reduziertem Material aus.“ Paolo Piscitelli
 
 
 “In cieco (the breath in the Bossea’s caves) / white foam crackling”
„Das Hören des Raumes in einer organischen Architektur und innerhalb der eigenen Entstehungsgeschichte; das Verschwinden im Schoss der Erde
und (innerhalb) einer Höhle zu sein. Die Tropfen sprechen für einen engen Tunnel, statt einer weiten Kuppel.
Ich fühle etwas gegenwärtig  Verborgenes in der Tiefe der Schlucht, oberhalb über dem dröhnenden, mein Trommelfell bedrückenden, Wasserfall.
Ich schließe meine Augen in der Dunkelheit. ...Mein Körper verschwindet in der dünnen Luft wie Dunst- flüssig und dampfend.
Der Klang des „weißen knackenden Schaum“ ( aufgenommen von einem Schaumhaufen) gibt die räumliche Andeutung wieder, charakterisiert von dem
Tropfen in der Höhle Bossea´s. Zugleich vermittelt die pulsierende unförmige Struktur der Schaummasse einen künstlichen Atem.“
Paolo Piscitelli
 
„Esecuzione“
 
„Ich setzte den Monolog der Bewegung und Handlung fort. Ich verkleinere das Material bis es kompakt und fest ist. In der Ausführung, in der
Abstraktion von Gebärden und Übung , fordere ich einen intensiven Austausch, der das Geben und Nehmen symbolisiert. Dieser Prozess hat
ein Ergebnis, einen physischen Rest, ein Gepäck; Körper von ihrem Gehalt entleeren, in welchen sich die Kleidung zur empfindlichen Membran
wandelt. Die Ausführung ist ein Aspekt der Arbeit, eine Art von Spiel, annulliert für eine kurze Zeit; Ich löse, binde und höhle den Körper „ohne Inhalt“
in eine umkehrbare, undefinierbare Vergeltung.“
Paolo Piscitelli
 
 
Gianni Caravaggio
There isn’t any difference between construction and content * ( Es gibt keinen Unterschied zwischen Konstruktion und Inhalt)
 
1968 in Rocca S. Giovanni, Italien geboren, wächst in Sindelfingen auf. Studium an der Brera Akademie in Mailand bei Luciano Fabro.
Philosophiestudium an den Universtiäten in Florenz, Mailand und Stuttgart. G. Caravaggio lebt in Mailand und Stuttgart.
Das Forschen von Gianni Caravaggio ist es, ein Kunstwerk zu verwirklichen, das phänomenologisch offen ist . Er zeigt nicht das Ergebnis
eines kreativen Prozesse, sondern den schöpferischen Vorgang selbst. Die gestaltende Ausdrucksbewegung ist eine Metapher für das Erschaffen.
Aus dieser Perspektive definiert Caravaggio eine Vorstellung von Zeit, die metamorph und verwandelbar ist. Seine Arbeit formt einen zeitlichen Körper:
„Wirklichkeit scheint mir ihre möglichen zeitlichen Kräftespiele zu verstecken. Die Wahrnehmung und Idee von Wirklichkeit durch Zeit wird zu
fließenden Formen von Gedanken in Bewegung. Es ist keine Frage etwas zu belegen oder illustrieren, sondern eine Frage der Betrachtung. Meine
Arbeit ist keine Wiedergabe der Welt wie sie ist, sondern zeigt eine neue Perspektive, aus der man sie sehen kann:
ein Zuckerwürfel, ein Salzkorn oder ein Samen werden zum Impuls der kreativen Realität.“ Seine Arbeit erweitert diese Anregung / Antrieb / Ansporn,
in dem er eine Beziehung zwischen dem betrachteten Objekt und dem gefühlten Objekt herstellt, dem Sinneseindruck und der Benennung, dem Teil
und dem Ganzen.
 
*inspiriert by Giorgio Giorgio Agamben, ‘L’uomo senza contenuto’, Quodlibet, Macerata, 1994
 
“A New Perspective”, 2000
Versch. Zeitschriften; Installation
 
Im Inneren von aufgestapelten Zeitschriften kann man einen chromatisch atmosphärischen 'Landschaftsraum' entdecken. Dieser atmosphärische Raum
war in den Zeitschriften "gefangen" und ist anhand kreisförmig geschichteter Schnitte "befreit". Das Erscheinen dieses Raumes ist so, als ob man alle
Seiten der Zeitschriften auf einmal sieht, wobei sich die ganze gewöhnliche Abfolge in einem einzigen Raum konzentriert. Die ausgeschnittenen Kreise,
"Teile" der sphärischen Räume, breiten sich in chaotisch organischer Form aus und tragen die Zeitschriften wie auf einem Wasserstrom mit sich. Dieser
Organismus als Ganzes entspringt aus den einzelnen atmosphärischen Innenräumen der Zeitschriften: Das Teil ist kein Fragment des Ganzen, sondern
sein Ursprung - Punktum
 
„Drei Papierskulpturen, die aus aufeinandergeschichteten Papierbögen bestehen, nehmen die Grundstruktur des Steinbodens auf und führen die
Bewegung in der Drehung des Stapels fort. Einen abstrakten Gedanken sensuell erfahrbar werden zu lassen - darum geht es dem Künstler. Außerdem
greift er ein zentrales Thema italienischer Kunst auf - das der Verschränkung von physischem und geistigem Raum -, das seit Fontanas concetto spaziale
und später der arte povera in spazio, bei der gleichsam das "Loch in der Psyche" thematisiert wurde, immer wieder eine wichtige Rolle spielt. Während
Caravaggios Skulpturen sich in ihren Volumina im Raum ausdehnen, erscheinen sie im Inneren ausgehöhlt, und die Schnittstellen bilden konzentrische
Kreise, die den hier definierten Raum ins Unendliche zu spiegeln scheinen.“
Marion Ackermann, Lenbachhaus München.
 
 
Drops“, 2000-2002
Papier, variable Größe
 
Die Arbeit „Drops“ ist aus den ausgeschnittenen „Überbleibseln“ aus den weißen Papierarbeiten wie „Attimo“ entstanden. Der Titel steht sowohl für
das natürliche Phänomen der fallenden Wassertropfen und für den performativen Akt, für das erneute Aufbauen, das die Arbeit immer wieder verändert.
Dies ist eine freie Eigenschaft der Arbeit, in dem sich die Elemente der Arbeit immer wieder frei zusammensetzen. Diese Elemente scheinen als ob sie 
intelligente „Partikel“ sind. Es sind „esserini“ (kleine Seinswesen“) wie einst der italienische Künstler Fernando Melani meinte, intelligente Teilchen, die         
sich immer wieder neu zusammensetzen und kreieren. Es entsteht ein fliesender Übergang zwischen Ordnung und Unordnung und umgekehrt.
 
“Druged Time”, 2003, DVD
Das Video ist eine besondere Suche in kreisförmigen sich überschneidenden Wellen, die durch Regentropfen geformt werden,  die auf die Wasseroberfläche
fallen. Es erzeugt eine Disorientierung und Verwirrung zwischen Wahrnehmung und Realität.
 
 
Stefan Bombaci
1965 in Stuttgart geboren. Studium der Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Jürgen Drescher, Prof. Henk-Visch
und Prof. Micha Ullman.
 
„Alltag produziert ein zähes, schnell verkrustendes Sekret von Definitionen, das sich auf die Dinge legt und ihr Inneres vor unserem Auge verschließt.
Aus einem leichten Unwohlsein, dem Traum oder einer leisen Ahnung jedoch erwächst die Gewissheit, dass tief unter der versiegelten Oberfläche
und hinter all dem tagtäglichen Tun verborgene und vergrabene Welten existieren. Stefan Bombaci begibt sich auf die Suche diese Welten aufzuspüren.
Durch den Eingriff in die vertraute Oberfläche dringt er in Schichten vor, die wir sonst verdecken – mit Tischdecken, Furnier oder Gewohnheiten...
Bombaci produziert Wesen, seine Gegenstände erfahren eine ungeheuerliche Belebung, ja sie riechen förmlich nach Mensch: Gardinen lauern schweigend
hinter verschlossenen Fenstern, dunkele alptraumhafte Treppenlabyrinthe werden zu Fallen. Verdichtet und flüchtig zugleich beschleunigt das Gesehene
den Herzschlag oder  verursacht ein Ziehen in der Magengegend... Auge und Verstand verlieren an Sicherheit, suchen linkisch Halt oder zumindest eine
Ausrede.  Der eigene Standpunkt scheint plötzlich fragwürdig und fremd . Bombaci setzt die Dinge in unerwartete Beziehung, zeigt rätselhafte Ähnlichkeiten
und erstaunliche Entsprechungen. Im Geheimnis findet sich der Zugang in andere Welten. Ein ungelöstes Rätsel wird sich fortwährend wiederholen, in welcher
Form auch immer, wiederholen, im eigenen Kopf und wohin man auch sieht. ...Mit der Lust am Traumbild, der Liebe zur Vorstellung... betrachten wir, doch
das Gesehene, es ist schneller, schließlich nur noch in seiner ständigen Auflösung begreifbar. Es verschwindet und formiert sich neu. Das plötzliche Kippen
der Wahrnehmung wird zum Argument, ja zum Beweis für die Existenz anderer Welten, Welten, denen man auf Reisen durch sich selbst begegnet. Sie können
uns unter den eigenen Tisch führen oder in unendliche Entfernung.“
Textauszug von Judith Hülsmann Braig.
 
 
„Menthol gedreht“, (Fotoserie 1–3), 2004
60 x 80 cm
 
„Während einer Dauerbelichtung dreht sich die Kamera um die eigene Achse, das vor der Linse liegende Terrain und  Panorama zeichnet sich in das
Filmmaterial ein. Auf diesen Fotos zeigen sich fremdartig, verschwommene, fast liquide sich auflösende Landschaften die auf fremden Planeten sein
könnten. Wie in der Installation (mit Tageszeitungen) “rechts oben hinter einer” und den Videos “Moving Horizon 1 + 2” und “Schwindel”,  ist es der
Versuch mehr zu sehen – zur selben Zeit dahinter, darunter und darüber – überall. Als Gedankenexperiment wird in ihnen ein Versuch der Gleichzeitigkeit
unternommen. Der ruhige, rauschhaft verzögerte Tanz der Erinnerung. Ein Drehen um das Fremde, das Vertraute und Vergessene. Das Experiment eines
zweihundertprozentigen Zustandes und somit der Versuch über sich selbst hinauszusehen. Bis hin zur Konsequenz der Überinformation, der Auflösung
oder des Sturzes.“ Stefan Bombaci
 
 
„Geist (kl.)“, 2004,
Holz, Glas, Wolle, Motor,
49 x 42 x 190 cm
 
Von der Decke der Galerie hängt ein gestrickter weißer Handpuppengeist in eine Vitrine und dreht sich, von einem Motor betrieben, stetig um seine eigene
Achse.
 
 
 
Copyright: Bernhard Knaus Fine Art und die betreffenden Künstler.